Unsere Ziegen
Unsere Ziegen haben alle ihre eigene Geschichte – und keine davon begann auf dem Eichhof. Sie kommen aus der Nutzung, wurden vor dem Schlachter gerettet, aus schlechter Haltung übernommen oder mussten ihren ursprünglichen Platz verlassen.. Durch die Vernetzung mit anderen Lebenshöfen in der Schweiz durften sie zu uns finden.
Heute steht ihr Wohlbefinden an erster Stelle. Ziegen sind neugierige, soziale und bewegungsfreudige Tiere. Sie brauchen Struktur, Abwechslung und die Möglichkeit zu klettern, zu beobachten und miteinander zu sein. Genau darauf haben wir unseren Stall und ihre Umgebung ausgerichtet.
Im Stall haben wir auf rund 70 m² einen kleinen Indoor-Kletterpark gebaut, der ihnen auch bei schlechtem Wetter Bewegung und Beschäftigung bietet. Dazu stehen ihnen zwei Weiden in Weiderotation zur Verfügung – mit unterschiedlichen Strukturen, Klettermöglichkeiten und immer wieder neuen Reizen.
Die tägliche Betreuung ist uns wichtig. Wir misten jeden Tag und rechnen rund zwei Stunden für Pflege, Beobachtung und Zeit mit den Tieren ein. Über Kameras können wir auch ausserhalb dieser Zeiten sehen, wie es ihnen geht.
Gesundheit, Ruhe und Vertrauen stehen bei uns an erster Stelle. Unsere Ziegen sollen sich sicher fühlen, ihren Charakter zeigen dürfen und einfach Ziege sein können. Sie bekommen Zeit, Raum, Respekt – und ganz viel Zuwendung und Liebe.
Mogli
Als Chef in der Gruppe haben wir mit Mogli ein souveränes Alphatier. Auch rangniedrige Ziegen können mal in Ruhe neben ihm fressen, da er in der Regel nicht grundlos andere boxt.
Er schlichtet oft Kämpfe zwischen anderen Ziegen und er mag es auch nicht, wenn in der Brunstzeit seine Kollegen seinen Geißen zu aufsässig werden. Er ist sehr aufmerksam und schaut gut zu seiner Herde. Wir haben Glück, ein so tolles Tier als Freund zu haben. Und er hatte Glück, dass ihn vor ein paar Jahren Tierschützer aus seiner miserablen Haltung retteten. Er wurde in einer kleinen Pferdebox gehalten und hat wohl noch nie unter freiem Himmel gestanden. Menschen sind ihm bis dahin auch nicht mit der verdienten Achtung begegnet, er traut nämlich bis heute keinem so richtig.
Die, die er gut kennt, lässt er gerne an sich ran zum stuuuuundenlangen Kraulen. Da schließt er sogar die Augen, im vollen Vertrauen, und genießt die ihm entgegengebrachte Liebe. Manchmal kommt er auf leisen Klauen in unsere Nähe und wartet auf eine Streicheleinheit. Dabei kneift er seine Augen etwas zusammen, schon in Gedanken an die wohltuenden Berührungen. Er ist auch der, der die lustigsten Bocksprünge hinlegt und mit seiner drolligen Gangart quer über die Weide fräsen kann. Wir lieben Mogli sehr!
Lina
Lina, Lina, Lina – wo fangen wir hier an?! Ein Unikat der Sonderklasse. Beim Gedanken an sie müssen wir schmunzeln. Das zickige Verhalten hat sie wohl erfunden. Sie äussert sich und ihren Standpunkt, ihre Bedürfnisse und ihre No-Gos ganz klar.
Sie kommuniziert lautstark, wenn ihr etwas nicht passt. Sie schreit den andern direkt ins Gesicht, wenn sie es verdient haben. Da sie in der Rangordnung aber eher weit unten ist, nützt am Ende alles nichts und sie muss mit ihrem Bäuchlein schwingenden Gang davonstolzieren. Aber immer, wenn ein neues Tier dazukommt, da ist sie die Grösste, die Lauteste und die „Gefährlichste“ … sicher die ersten Wochen. Sie begrüsst den Neuankömmling immer auf dieselbe Art. Sie streckt dabei die Zunge raus und „spudert“ auf ihre typische Art, während sie die Neuen anrempelt. So lustig das auch aussieht, so stressig ist es auch für die Neuen und auch für Lina. Sie will nämlich einfach ihren Platz in der Rangordnung halten, so wie die andern auch. Dabei ist Linas Verhalten etwas ausgeprägt. So hat sie nämlich auch ihre beiden Hörner selbst abgeschlagen.
Linas Geschichte kennen wir, wie bei den meisten, nicht genau. Sie wurde wohl als „Kinderbespassung“ in einer Spielgruppe genutzt. Das Gute für sie daraus: Sie weiss, wie sie die Menschen für sich gewinnen kann. Einmal in den Weg stehen oder sich fest an ein Menschenbein drücken, dann wird man schon gestreichelt. Da könnte sie stundenlang hinhalten und genau mit dem Verhalten gewinnt sie ihre Fans.
Bounty
Unser Hofsänger Bounty ist aus der Westschweiz zu uns gekommen. Dort ist er mit seiner Mutter und weiteren Ziegen bei einer netten Familie aufgewachsen. Als junger Rabauke wurde er durch die Menschenhand aufgefordert, spielerische Kämpfe zu machen, dies hat sich im Laufe der Zeit negativ ausgewirkt. Bounty wurde fehlgeprägt und hat so den Menschen als Prellbock abgestempelt – er musste weg. So ist er zu uns gekommen.
Er ist der mit dem glänzenden, wunderschönen Fell, mit den grossen Hörnern und dem stolzen Charakter. Er ist auch der, der unseren Hof mit seinen Rufen beschallt. Ganz nach dem Motto: Ihr seid hier, ich bin hier, also kommt und bespasst und füttert mich.
In der Zwischenzeit ist er ziemlich verschmust, reckt und streckt sich, wenn man ihn krault. Ganz abgelegt hat er das „Hörndle gegen die Hand“ jedoch nicht, dies aber nur, wenn man ihn falsch anfassen will. Dies ist sein Recht und er bekommt bei uns auch seinen Raum, um selbst zu entscheiden, ob und wann er angefasst werden will.
Als bester Kumpel von Mogli sind die zwei Jungs oft zusammen zu sehen und mit Mogli kann er seine Hörner auch artgerecht einsetzen. Aber am tollsten ist es schon, wenn ein Mensch dazu kommt, weil dann ist unser Bounty immer in der Nähe und freut sich über jede Aufmerksamkeit.
Cora
Liebe, sanfte, süsse Cora mit ihrem herzerwärmenden Blick. Sie hat so viel Liebe in sich, die sie gerne uns gegenüber zeigt und vor allem auch ihrer Tochter Amanda schenkt. Die zwei sind wie Magnete. Zusammen erobern sie die Welt und unsere Herzen.
Cora hat sich zur Angewohnheit gemacht, an ihrem Lieblingsplatz zu warten, wenn wir mit dem frischen Heu kommen. Warten ist nach unserer Meinung nicht die Stärke der Ziegen. Und Cora, ja, die wartet nun wirklich nicht gern auf ihr Futter und hat auch ihre klare Vorstellung, wie zügig das gehen soll.
Also wenn man dann so in geduckter Haltung ihr Abendmahl serviert, kann man damit rechnen, dass jegliche Art von Mütze vom Kopf gezogen wird. Es geht ihr einfach zu lange.
Cora hat ebenfalls ganz tolle „Gumper“ voller Lebensfreude drauf. Das pure Glück, ihr zuschauen zu dürfen. Sie ist auch die Ziege mit den verwickeltsten Schlafpositionen und sie zeigt ihre Stärke gerne beim Kampf mit den angebrachten Kratzbürsten, immer wieder lustig zu sehen.
Cora zeigt ganz deutlich, wenn sie ihre tägliche Schmuseeinheit möchte. Dann stellt sie sich nämlich einfach regungslos neben einen hin und muss dann wieder warten, bis sie bekommt, was sie verdient hat. Wir könnten sie stundenlang „verschmuuusen“. Cora und Amanda kommen aus dem Berner Seeland und wurden von einem Ehepaar abgegeben, da sie die Ziegenhaltung aufgegeben haben.
Amanda
Amanda hat gerne die Haare schön. Unsere Lady mit Langhaar nennen wir auch gerne Mändeli oder Manda. Wie ihre Mama Cora ist sie zuckersüss, hat es aber faustdick hinter den Ohren.
Gerne jagt sie rangniedrigere Ziegen mal ein bisschen rum. Sie kann auch wie ein Rammbock mit Anlauf andere boxen, das aber am liebsten synchron mit ihrer Mutter. Diese ist es dann aber auch, die Amanda bei einer Gegenoffensive verteidigen muss. Da tritt dann die Kleine gerne hinter die schützende Mutter. Es ist wieder mal ein lebender Beweis, wie sehr Tierkinder ihre Mutter brauchen. Im Fall von diesen zwei darf diese Bande sogar ein Leben lang bestehen bleiben.
So stolz und ladylike sich Amanda auch benimmt, ist sie aber auch die, die am lautesten kaut. Wenn wir den Stall betreten und man hört von weitem Schmatzen, kann man draufgehen: Amanda ist am Fressen. Viele Lacher hat sie uns damit schon ins Gesicht gezaubert.
Anfangs war Amanda sehr scheu und sofort über alle Berge, wenn man nur schon in ihre Nähe kam. Jetzt gehört sie zu den streichelbedürftigsten Ziegen, die wir haben. Sie stellt sich auch gerne regungslos neben einen hin und schaut total hoffnungsvoll. Sie geniesst die ihr entgegengebrachte Liebe sichtlich und ist deshalb schon übersät worden von unseren Küssen.
Sie ist eine bemerkenswerte Kletterin und springt sogar von hohen Stellen vom Kletterpark. Sie fliegt fast und landet graziös. Wir sind dankbar, diese einzigartige Lady zur Freundin zu haben. Cora und Amanda kommen aus dem Berner Seeland und wurden von einem Ehepaar abgegeben, da sie die Ziegenhaltung aufgegeben haben.
Nino
Nino, oder auch Ninolinooo, ist ein gemütlicher, „zausliger“ und total liebenswerter Freund.
Gemütlich, weil er selten springt oder klettert, zu streng. Fangen die ersten Regentropfen an, rennen alle Ziegen wie geölte Blitze in den Stall, weil nass werden gar nicht geht! Der Einzige, der sich noch ein paar Grashalme gönnt, ist Nino. Er kann dann auch gut noch länger alleine im Regen weitergrasen, bis er sich dann in Ruhe auch in den Stall begibt.
„Zauslig“, weil sein Fell ein wenig buschig und etwas „verzaust“ ist. Wir haben Nino über Umwege aus der Zentralschweiz aufgenommen. Dort war er auf einem Bauernhof zwischenstationiert, weil er am vorherigen Ort alleine war und abgegeben wurde. Es war eine schulische Einrichtung und Nino wurde dort, müssen wir annehmen, nicht mit viel Zuwendung überschüttet. Er kam mit verschiedensten Nährstoffmängeln bei uns an. Mit tierärztlicher Betreuung haben wir ihn aufgepäppelt.
Nino hat sich gut erholt, ist nun auch verschmust und geniesst die Liebe, die er jeden Tag erfahren darf. Liebenswert, weil er sehr sanftmütig auf Menschen zugeht. Vorsichtig, aber wenn er Vertrauen fasst, ist er sehr anhänglich. Mit seinen aufgeweckten Augen und ganz eigener Stimmfarbe ist er unverkennbar. Seine Ruhe und Gelassenheit erinnern daran, dass das Leben auch mit weniger Tempo zu geniessen ist.
Nino lässt sich aber längst nicht alles gefallen, er setzt sich bei den anderen Ziegen durch und weiss sich auch als Bock zu behaupten. Es ist schön, ihn als Freund bei uns zu haben.
Pinto
Pinto ist unsere sanftmütige Ziege. Er wurde uns aus dem Emmental gebracht, wo er ein behütetes Leben mit seiner Mutter und anderen Ziegen führen durfte. Uns wurde erzählt, dass seine Mutter ihn stets beschützte, sodass er sich nie wirklich selbst verteidigen musste.
Als seine Freunde und später auch seine Mutter starben, war er allein mit Rindern. Als er dann zu uns kam, musste er so einiges ertragen – zum einen die Trennung von seinem vertrauten Zuhause, zum anderen die Rasselbande, die ihn hier mit typisch ziegischem Verhalten „willkommen“ hiess.
Lange Zeit wurde er von allen Seiten angerempelt, und er wusste einfach nicht, wie er sich wehren sollte. Er wusste nicht, dass er seine Hörner einsetzen, sich verteidigen und dass auch er einen Platz in der Herde verdient hatte. Das ging eine ganze Weile so.
Mit der Zeit gewann er jedoch nicht nur Vertrauen in uns, sondern auch in sich selbst. Heute kann er sich durchaus einmal durchsetzen und hat sich sehr gut eingelebt. Dennoch würde er niemals von sich aus ein Kämpfchen beginnen – das ist einfach nicht seine Art.
Mit seinem wunderschönen, glänzenden schwarzen Fell und seinem gutmütigen Charakter erobert er alle Herzen. Er geniesst jede Streicheleinheit und ist dabei stets respektvoll, liebenswert und einzigartig. Er ist etwas ganz Besonderes, und wir lieben ihn unendlich. Dankbar für diese wunderbare Seele könnten wir wohl endlos über ihn schwärmen.
Niva
Niva ist unsere erste grosse Ziege in der Familie. Niva ist eine stolze und wunderschöne gämsfarbige Gebirgsziege. Sie ist soooo liebenswert, sanftmütig und anhänglich.
Niva wurde als „Metzg-Geiss“ geboren, ihr Schicksal war bestimmt und ihr Leben sollte enden, bevor es richtig begann. Man entriss sie früh ihrer Mutter, da die Muttermilch anstelle für ihr Kind für Milch und Käse genutzt wurde.
Niva wurde enthornt. Dies durch Ausbrennen der Hornanlagen. Man möchte so das Verletzungsrisiko, besonders in Haltungssystemen mit hoher Tierdichte, verringern und in Laufställen Platz sparen.
Zum Glück wurde sie von tollen Menschen gerettet. Sie kam in eine Familie, wo sie geliebt wurde, teilhaben durfte und über Jahre ein schönes Leben führen konnte. Artgerechte Tierhaltung fordert viel Zeit und Hingabe. Als die Vorbesitzerin gesundheitlich nicht mehr allem gerecht werden konnte, baute sie den Tierbestand ab. Übrig blieb Niva und eine gute Schaffreundin. Das Tierschutzgesetz erlaubt nicht die Haltung von nur einem Tier einer Tierart. Deshalb musste sich die Familie schweren Herzens von Niva trennen. Über den Tierschutz Emmental hat sie dann den Weg zu uns gefunden. Für das Schaf wurde auch eine artgerechte Lösung im Emmental gefunden.
Als Niva das erste Mal ihre neue Weide betrat, sich umschaute und sich von den neuen Freunden anrempeln liess, entschied sie: Hier bleibe ich nicht – und brach dann durch den Zaun, um ihre Menschen zu suchen. Es brauchte etwas Zeit, bis sie sich zu Hause fühlen konnte.
Mit dem Entfernen ihrer Hörner hat man ihr die Fähigkeit genommen, sich zu verteidigen oder Rangkämpfe zu bestehen. Trotz ihrer Grösse ist sie so im Nachteil. Sie ist eine Ziege, kann sich aber nicht ziegentypisch ausdrücken.
Nun hat sie ihren Platz und ihren festen Freund gefunden. Sie und Pinto sind unzertrennlich.
Moira
Unsere nächste grosse Ziege, eine Bündner Strahlenziege Moira, war am Anfang sehr scheu. Sie hatte sichtlich Angst vor den anderen Ziegen und auch vor uns Menschen. Näherte man sich ihr, zack, war sie weg. Bedrohlich fand sie auch unsere kleinsten Zwerge. Alles war zu viel.
Mit viel Liebe und Geduld hat sie nun Vertrauen in uns gefasst und gibt mit ihren mächtigen Hörnern den anderen Ziegen auch zurück. Ihre Art ist es aber nicht, sich in die oberen Ränge zu kämpfen. Sie ist froh, wenn sie ihre Ruhe hat. Und ganz wichtig: Sie muss immer wissen, wo Niva ist. Ihr folgt sie auf Schritt und Tritt. In ihr hat sie eine ruhige und verlässliche Partnerin gefunden.
An dem Tag, als Moira bei uns ankam, ist auch die kleine Sia eingezogen. Sia und Moira haben zusammen einen Platz in der Herde und unseren Herzen gefunden. Die Kleinste verlässt sich auf ihre grösste Freundin und ist immer in ihrer Nähe. Moira toleriert sie und setzt nicht unnötig hart ihre Hörner gegen sie ein. Sie ist ein Schatz.
Sie liebt es, gestreichelt zu werden, hält dabei ganz still und geniesst es, wenn sie Aufmerksamkeit bekommt. Eine treue Ziege, die nur Menschen in ihre Nähe lässt, denen sie vertraut.
Moira wurde von der Vorbesitzerin vor der Schlachtung gerettet. Ein Bauer am Flumserberg hatte mehrere Gebirgsziegen, hauptsächlich zur Landschaftspflege. Als er die Bauernarbeit aufgeben musste, führte der Weg der Ziegen zum Schlachter. Sie und ihre Schwester hatten das Glück, gerettet zu werden. Als die Schwester starb, lebte Moira mit Rindern zusammen. Für sie musste ein Platz gefunden werden mit Artgenossen. Den Platz bekam sie bei uns. Wir sind dankbar, sie in unserer Familie zu haben.
Sia
Definitiv eine wie keine! Als wir sie das erste Mal sahen, konnten wir uns vor dem „Jöööööööööööööööö“-Effekt kaum retten. Muunzig klein, kurze Beinchen, dickes Bäuchlein, weiss, ein schwarzes Herzchen-Näschen und ein vorwitziger Gesichtsausdruck wie keine andere. Wie ist sowas nur möglich, jööööö …
Sia selbst sieht sich aber als riesig! Selbstbewusst, mit gestelltem Kamm und erhobenem Haupt ist die Kleine in die Weide und ihre neue Herde hinein stolziert. Wir werden es nie vergessen. Beim ersten Kontakt mit den anderen stellte sie sich auf ihre Hinterbeinchen und schlug mit ihren kleinen Hörnern mit voller Wucht in die Gruppe.
Aber wie es so ist: Hochmut kommt oft vor dem Fall. Sie musste lernen, dass es Regeln und eine Rangordnung in der Herde gibt. Sia und Moira sind am selben Tag bei uns eingezogen. Sia erkannte das gemeinsame Schicksal und heftet sich bis zum heutigen Tag an die Grösste. Die spielerischen Kämpfchen zwischen dem Zwerg und der riesigen Moira sind zu süss.
Auch wenn Sia ihren Platz kennt, nutzt sie jede Möglichkeit, zuvorderst, zuerst, zuoberst zu sein. Sie boxt auch die Ranghöchsten aus dem Hinterhalt und sprintet dann auf ihren kurzen Beinchen schnell davon. Man kann sich nicht sattsehen.
Was sie nicht mag, sind Streicheleinheiten. Sie ist nicht scheu, nein, wirklich nicht, aber sie ist keine Schmuseziege. Das ist auch total in Ordnung, bei uns soll jede genauso sein, wie sie ist.
Sia kommt von einem Lebenshof im Emmental. Dort lebte sie ein wunderschönes Leben mit ihrer Schwester und vielen anderen geretteten Tieren. Der Lebenshof hat Sia und ihre Schwester aus einer unkontrollierten Zucht gerettet. Man muss davon ausgehen, dass Sia und ihre Schwester Inzucht sind. Vermutlich ist diese Inzucht die Folge, dass die Schwester von Sia eines Tages, völlig unerwartet, tot auf der Weide lag.
Wir durften Sia übernehmen, da keine weiteren Ziegen auf dem Hof leben. Wir bedanken uns herzlich für das Vertrauen.
Bangie
Ein Babygeissli mit verschiedenen Handicaps sucht ein Zuhause, sonst muss es geschlachtet werden. So lasen wir, wie immer betroffen, die Worte einer engagierten Tierschützerin. Ihr Name ist Angie und ihr verdankt der kleine Kämpfer sein Leben und auch seinen Namen.
Bangie ist eine Pfauenziege und gehört zu den Ziegen, bei denen man die Rasse erhalten will und sie deshalb züchtet. Schon bei der Geburt fiel auf, dass seine Hinterhand etwas zu wacklig ist. Trotzdem durfte er leben und bekam eine Chance. Leider entwickelte er sich nicht gleich gut wie seine etwa gleichaltrigen Freunde. Der Züchter konnte dann alle Gitzi zur Landschaftspflege, Zucht, Fleisch- oder Milchziegen verkaufen, nur Bangie wollte keiner. Geistig und körperlich ist er einfach beeinträchtigt. Das trübt aber nicht seine Lebensfreude, die er in sich trägt, und auch seinen Kampfgeist, das Leben zu leben – das hat er uns nun mehrmals bewiesen.
Wir entschieden uns, ihn aufzunehmen und haben zugesagt, ihn auch abzuholen. Ein Mitarbeiter holte uns den Kleinen. Wir konnten zusehen. Da war die Herde aus ausschliesslich weiblichen Pfauenziegen, alle ihrer Kinder beraubt, nur eine Mama hatte ihr Gitzi noch – der kleine Bangie. Es dauerte keine Minute, da bemerkte die Mutter, dass ihr Kind fehlte, und sie fing herzzerreissend an zu rufen. Der Mitarbeiter erklärte uns dann, dass dies ganz normal sei. Das sei alle Jahre so, die beruhigen sich dann schon wieder nach 2, 3 Tagen.
In einer Welt, in der es normal ist, Müttern ihre Kinder zu nehmen, leben wir also. Uns wurde wieder einmal schmerzhaft bewusst, dass dies tagtäglich unzählige Male passiert, in der sogenannten Nutztierhaltung. Als wir fragten, ob wir die Mutter nicht auch gleich mitnehmen dürften, war die Antwort: Nein, die ist zu schön, die brauchen wir, um weiter zu züchten.
Schnell ins Auto gestiegen, kamen viele Tränen. Wir haben ein Kind der Mutter genommen. Wir mussten, sonst wäre Bangie getötet worden.
Bei uns angekommen haben wir Bangie in die Gruppe gelassen, er machte es toll. Bald aber fing er damit an, nach seiner Mutter zu rufen. Wieder herzzerreissend, und wir konnten ihm seine Mutter nicht ersetzen. Wir gaben unser Bestes und lagen stundenlang mit ihm auf der Wiese oder im Stall. Liebe und Wärme – daran soll es ihm niemals fehlen.
Leider hat er durch seine Handicaps einige gesundheitliche Herausforderungen. Wir sahen die Tierärztin regelmässig und schon bald hing sein Leben am seidenen Faden. Nur durch eine Bluttransfusion einer gesunden Ziege konnte sein Leben gerettet werden. Bounty durfte der Lebensretter sein.
Viele berührende Momente haben wir seither mit Bangie erlebt. Was er uns immer zeigt: Ich will leben. Ganz klar. Solange er das zeigt, bekommt er jede erdenkliche Chance im Sinne des Tierwohls. Wir sind voller Hoffnung, dass er ein gesundes Erwachsenenleben erreicht, voller Freude, Respekt und irgendwo auch als Botschafter für all die Tiere, die tagtäglich nicht gesehen werden. Wir unternehmen zusammen erlebnisreiche Spaziergänge, sammeln alle schönen Momente und sind dankbar für das Leben, das wir gemeinsam haben.
Bangie, unser Baby.
Alva
Wow, da ist sie, die schneeweisse, wunderschöne und grossartige Saanenziege. Genau so empfanden wir es beim ersten Anblick dieser Ziege. Die Vorbesitzerin fuhr sie zusammen mit ihrer ganzen Familie zu uns. Edelweiss ist ihr ursprünglicher Name, der sehr passt, nur für uns etwas lang für die tägliche Ansprache. So tauften wir sie Alva – bedeutet weiss und kommt aus dem Rätoromanischen.
Alva wurde von der Vorbesitzerin mit drei weiteren Gitzi aus einem Milchbetrieb gekauft. Von da an durften die vier ihr Leben geniessen. Alva konnte auch Mutter von zwei Babys werden. Die Kleinen durften bei ihr bleiben, nur leider verstarb eines davon überraschend. Das zweite wurde gemetzgt.
Die Vorbesitzerin musste die Ziegenhaltung aufgeben und fand für alle ausser Alva einen Platz. Alva hat sich zur Angewohnheit gemacht, über Zäune zu springen. Kein Hindernis war ihr zu hoch und sie wollte sich stets immer wieder befreien. So fand sich schwer ein Platz.
Wir wollten uns ihrer annehmen, in der Hoffnung, dass sie bei uns neue Freunde findet, unsere Haltungsform ihr entspricht und sie keinen Grund mehr hat auszubüxen. Und tatsächlich hat sie bis zum heutigen Tag keinen Ausbruchversuch gestartet. Wir sind glücklich und dankbar, dass wir ihr somit ein weiteres Leben im Glück schenken können.
Alva ist sehr verschmust, am liebsten mag sie es, wenn sie zuerst das Gesicht abschnuppern kann. Dann reibt sie sich gerne an uns und zeigt so ihre Liebe. Sie ist mit Abstand die grösste Ziege und weiss sich mit ihrer Masse und ihrem stolzen Gewicht von 58 kg durchzusetzen.
Allerdings fehlen ihr die Hörner. Dadurch können kleinere, freche Ziegen wie Amanda und Lina dennoch mit ihr mithalten. Sie wurde genetisch hornlos geboren, da ihr Erbgut gezielt so verändert wurde, dass sie ohne Hörner zur Welt kam – wie bei vielen anderen Tieren in der Nutzung, deren Genetik künstlich manipuliert wird.
Wir freuen uns, nun mit ihr das Leben geniessen zu können.